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Als Antibolschewist, 1918/19.

by Eduard Stadtler

  Book

A "must read" book regarding German socialist revolution   (2013-02-24)

Excellent

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by edgar8

<div id="revMHRL" class="mb30"> <div id="rev-dpReviewsMostHelpful-RU7G7J27BYEQR" class="reviews"> <div class="mt4 ath"> <a class="noTextDecoration" href="http://www.amazon.de/gp/pdp/profile/A2BU1Y5JEJD7D0/ref=cm_cr_dp_pdp" class="noTextDecoration"></a> </div> <div class="mt9 reviewText"> <div class="drkgry">Ein sehr aufschlußreiches Buch eines frühen Nationalsozialisten, das wegen des Erscheinungsdatums 1936 in der "erfolgreichen" Zeit des NS-Staats ungewöhnlich offen Vorgänge, Hintergründe und hochgestellte Personen sowie Schlüsselentscheider der Zeit vor und nach der Revolution 1918/1919 in autobiografischer, fast tagebuchartig, also auch zeitlich und in der Aufeinanderfolge genau beschreibt. Basis waren offenbar Tagebücher und Briefe an Freunde und seine Frau, der er auch über die politischen Vorgänge im revolutionären Berlin berichtet.

Schlüsselinhalte:
Er und seine Antibolschewistische Liga bekamen ihr Startkapital vom Direktor der Deutschen Bank, Mankiewitz und dem "liberalen" Friedrich Naumann, nach dem die FDP ihre Stiftung benennt. Er berichtet z.B. über die Gründung des mit nominal 500 Mio. Reichsmark ausgestatteten sogenannten Antibolschewistenfonds der deutschen Wirtschaft, der am 10.Januar (noch während des Einsatzes der NOSKE-Truppen) im Haus der deutschen Luftfahrzeugindustrie in Berlin abgehalten wurde. Der Direktor der deutschen Bank, Mankiewitz, hatte die Spitzen der deutschen Wirtschaft eingeladen. Stadtler hielt dort seinen Vortrag über den "Bolschewismus als Weltgefahr" Die ca. 50 der ausdrücklich zu persönlichem erscheinen aufgeforderten Teilnehmer war den die wichtigsten Großindustriellen wie Hugo Stinnes, Albert Vögler, Ernst Borsig, Carl Fr. von Siemens, Geheimrat Deutsch, Salomonson, Gen.Direktor Otto Henrich usw., die ganze "haute volée" der Industrie-, Handels- und Bankenwelt.

Nach der stürmischen Rede und der betroffenen Ruhe soll Hugo Stinnes aufgestanden sein und gesagt haben:

"'Ich bin der Meinung, daß nach diesem Vortrag jede Diskussion überflüssig ist. Ich teile in jedem Punkte die Ansicht des Referenten. Wenn deutsche Industrie-, Handels- und Bankwelt nicht willens und in der Lage sind, gegen die hier aufgezeigte Gefahr eine Versicherungsprämie von 500 Millionen Mark aufzubringen, dann sind sie nicht wert, deutsche Wirtschaft genannt zu werden. Ich beantrage Schluß der Sitzung und bitte die Herren Mankiewitz, Borsig, Siemens, Deutsch usw. (ernannte etwa 8 Namen), sich mit mir in ein Nebenzimmer zu begeben, damit wir uns sofort über den Modus der Umlage klarwerden können." . . .

Die 'historische" Summe ward auch am gleichen Tage bewilligt. Das Umlageverfahren festgelegt. Die Gelder wurden auf dem Wege einer freiwilligen Selbstbesteuerung durch die Industrie-, Handels-und Bankorganisationen auf die gesamten deutschen Unternehmungen umgelegt ....

Der sogenannte 'Antibolschewistenfonds" floß nun durch alle möglichen Kanäle in die Anfang Januar 1919 einsetzende gewaltige antibolschewistische Bewegung: 'Generalsekretariat zum Studium und zur Bekämpfung des Bolschewismus", 'Antibolschewistische Liga", 'Vereinigung zur Bekämpfung des Bolschewismus", 'Bürgerratsbewegung", 'Werbebüros für die Freikorps", 'Selbstschutzorganisationen", 'Studentenarbeitsstellen". Bis in die Kassen der aktiven Truppen, ja bis in die Kassen der sozialdemokratischen Partei hinein! ...

Die Bewertung Stadtlers: "Es kann jedenfalls kein Zweifel darüber bestehen, daß die Gründung jenes Fonds mit die entscheidende antibolschewistische Tat jener wild bewegten Revolutionszeit gewesen ist. "

Carl Fr.v. Siemens soll für Stadtler am Tag darauf eine besondere Kabinettsitzung organisiert haben, weil einige meinten dass es wichtig sein auch die Regierung darüber zu informieren, "da die Herren offenbar nicht 'Bescheid wüßten".

In diesen Tagen soll er auch durch persönliche Unterredungen das Zaudern Noskes zum Militäreinsatz gebrochen haben. Am 12. Januar 1919, bei seiner "politischen Audienz" bei "Major Pabst", der dann zwei Tage später Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermorden lies, war es einfacher: Es war "eine Freude, diesen prachtvollen, lebendig energischen, tatenfrohen Soldaten zu erleben. Und wie er auf meine politischen Ideen einging!" erinnert sich Stadtler. Man war sich schnell einig: "... das Parlament und den könne uns Frontsoldaten gestohlen bleiben, auf Männer der Tat komme es an; wenn auf unserer Seite vorerst keine Führer zu sehen seien, dann dürfe wenigstens die Gegenseite auch keine Führer haben." Wenige Tage darauf, am 15. Januar waren die beiden führenden Kommunisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht "als politische Gefahrenzentren beseitigt." Den anstehenden Wahlen konnte man nun gelassen entgegensehen.

Ich hätte nie gedacht von einem Früh-NAZI ein solch aufschlußreiches Buch zu lesen - aber er gehört eben zu den Leuten die die NAZIs und Leute wie Hitler aufgebaut haben. Er selbst, auch wenn seine Partei sich Deutschnationale Volkspartei (DNVP) nannte, wurde von den Massen der Arbeiterschaft nicht ernst genommen. Als Akteur und Propagandaentwickler zwischen Kapital und Politik zeigt er für eine wichtige Phase aus seiner auch auf die Gegnerschaft blickenden Sicht das Räderwerk im Hintergrund dessen was uns die üblichen Bücher über die Weimarer Republik vorenthalten.

Nur 1935 konnte man so frei schreiben als NAZI ! Durch seine NAZI-Brille sind gewisse "Übersetzungs- /Interpretationsvorgänge" notwendig, aber das ist kein großes Problem, denn seine Ideologie und die Fakten sind klar zu unterscheiden und auch glaubhaft. Der Mann war mittendrin im Januar 1919 ! Später wurde er - für einen verdienten politischen Propagandist und Schlüssel-Akteur sehr passend, der Leiter des von den NAZIs enteigneten Ullstein-Verlags. Sehr empfehlenswert !
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