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Nikunthas, König der Miami eine Abenteuererzählung aus Nordamerika

by Franz Treller; Joerg Sommermeyer; Oskar Panizza

  Book  |  1. Aufl

Definitive Version eines Kriegs-, Piraten- und Indianerromans   (2011-10-02)

Excellent

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by adamoletag

Abenteuererzählung aus Nordamerika. Kriegs-, Piraten-, Indianerroman und einiges mehr. Eine spannende Story vom Anfang bis zum Ende. Die Handlung des Romans mit all ihren gefährlichen Wendungen und Rettungsaktionen schreitet rasant voran. Stimmungen, Assoziationen wie in Michael Manns Film „Der letzte Mohikaner“ (USA 1992; mit Daniel Day-Lewis als Hawkeye / Nathaniel Poe und Wes Studi als Magua) mit seinen atemberaubenden Landschaften und Wäldern oder in „Der Patriot“ (Roland Emmerich, USA, Deutschland 2000; Mel Gibson als Benjamin Martin) stellen sich ein, wenn z. B. der Vater, Benjamin Martin, guerillamäßig, mit seinen beiden kindlichen Söhnen in aller Eile einen im Wald Hinterhalt legt, eine große Zahl englischer Soldaten tötet und seinen älteren Sohn Gabriel befreit. Vielleicht hat Roland Emmerich ja seinerzeit den „König der Miami“ gelesen? Unnötig hinzuzufügen, dass der Roman auch James Fenimore Coopers Lederstrumpf-Geist (Wildtöter, Der Letzte Mohikaner) atmet, sicherlich ein gewisses Vorbild für Trellersches Schaffen.
Es existieren von dem Werk nun 3 Versionen: Das Original Franz Trellers, eine Bearbeitung Fritz Helkes und die neu vorgelegte Fassung Georg J. Feurig-Sorgenfreis. Dabei spiegelt Treller die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts, Helke die Mitte des 20. Jahrhunderts, Feurig-Sorgenfrei, gelangt - zwischen seinen Vorgängern balancierend - ins Hier und Jetzt.
Der heutige Leser kann leider Trellers Original getrost vergessen, pure Zeitverschwendung, allenfalls für Philologen, Soziologen und Historiker oder für ganz eingefleischte Fans, die unbedingt sämtliche Fassungen jeweils im Spiegel ihrer Zeit lesen und vergleichen wollen, von Interesse. Die mühsame Sprache des Trellerschen Originals, ein Mischmasch von Reizvollem, Altertümlichem, Ungeschicktem, Simplizität, Banalismen, ist nämlich auf weiten Strecken ungenießbar. Fritz Helke beschwört dagegen den Geist der 1950er Jahre in „jugendtümlich“ frisierter Attitüde. Zum Glück restauriert Feurig-Sorgenfrei jetzt endlich behutsam die „erwachsenere“ Seite des Spannungsromans. Herausgekommen ist ein köstliches Werk für „reife“ Menschen jeden Alters. Trellers Sprache wurde von Feurig-Sorgenfrei überall, wo es sich nur machen ließ, erhalten, aber sonst fortgeschrieben, verbessert, gereinigt, ergänzt. Das war auch dringend nötig! Nun kann der Leser zwischen einem Helkeschen „Miami“ und dem Feurig-Sorgenfreischen „Nikunthas“ wählen. Ich persönlich empfehle ohne Einschränkung wärmstens Feurig-Sorgenfreis gelungene, „modern-bewahrende“ Revision.
Bemerkenswert erscheint mir, dass es Joerg Sommermeyer, immerhin Autor eines fulminanten avantgardistischen Werkes wie „Anton Unbekannt“, wagt, offenbar Trivialität nicht fürchtend, ein solches Werk herauszugeben sowie ein spannendes wohl informierendes, mit Enthüllungen glänzendes Nachwort beizusteuern. Das allein bürgt für eine gewisse Qualität! Ihm gebührt Dank. Im Anhang kredenzt der Herausgeber mit Fritz von Ostinis Karl May Parodie „Die blaue Schlange“ und Oskar Panizzas „Indianer-Gedanken“ noch zwei sehr lesenswerte Kleinode als kurze Zugaben.

 




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