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Wenn wir den Krieg verlieren : von Steinmetzlehrling in Mauthausen-Gusen zum Beteiligten an der Mühlviertler Hasenjagd

by Helfried Hinterleitner

  Book

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Zivile Lehrlinge in ehemaligen KZ-Betrieben - selten gehörte Zeitzeugen!   (2010-08-06)

Excellent

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by RAHD

 "Wenn wir den Krieg verlieren ... " dachte sich "Sepp", der Protagonist dieser sehr bemerkenswerten Lebenserinnerungen, als er als Lehrling in einem SS-eigenen Betrieb im Umfeld des Konzentrationslagers Gusen Zeuge von zahlreichen Verbrechen wurde. "Sepp" kam 1940 mit seinen Eltern aus Südtirol ins Deutsche Reich und erinnert sich, wie schwer er es dort hatte, da er weder gut deutsch noch italienisch sprechen konnte. "Sepp" wollte eigentlich Schmied werden, wurde aber durch die SS gezwungen, sich beim KZ Gusen mit unzähligen anderen zivilen Jugendlichen aus allen Teilen des Deutschen Reiches zum Steinmetz ausbilden zu lassen. "Sepp" wurde somit zum Augenzeugen zahlreicher Verbrechen, die in Gusen geschehen sind. Seine Eltern gingen nach dem Krieg wieder zurück nach Südtirol. "Sepp" hingegen blieb in Oberösterreich und vertraute seine Erinnerungen einem ehemaligen Arbeitskollegen - dem Autor dieses Buches - an.

 

Dieses jüngste Buch von Helfried Hinterleitner gibt am Beispiel des KZ-Komplexes Mauthausen/Gusen erstmals einen tieferen Einblick in den häufig vernachlässigten Aspekt der Ausbildung, des Alltages und der politischen Indoktrinierung von zivilen Jugendlichen in den Betrieben der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Es eröffnet dem Leser auch eine erweiterte Perspektive auf den gesamten KZ-Komplex St. Georgen-Gusen-Mauthausen indem die Verzahnung von Einrichtungen der "Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH (DEST)" in St. Georgen/Gusen mit den KZ-Lagern in Gusen und Mauthausen anhand der Erinnerungen eines "Bystanders" dargestellt wird. Es ist dem Autor sehr gut gelungen, dieses diffizile Thema einfühlsam, objektiv und mit der nötigen Äquidistanz so zu beschreiben, sodass die Authentizität der Erinnerungen des Protagonisten erhalten blieb. Die Erinnerungen von "Sepp" werden durch teils erstmals publizierte Photos, Luftaufnahmen und Karten illustriert und können daher auch topographisch eindeutig zugeordnet werden. Das Buch ist auch mit einem Vorwort von Rudolf A. Haunschmied (www.gusen.org), einem Inhaltsverzeichnis, einem Literaturverzeichnis und einem Abbildungsverzeichnis mit umfangreichen Quellenangaben ausgestattet. Beachtlich ist auch der Mut von "Sepp", diese Erinnerungen, über welche hunderte andere bis heute nur schweigen, in Buchform einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

"Wenn wir den Krieg verlieren ..." ist aus meiner Sicht eine wertvolle Ergänzung in der Reihe der Erinnerungsliteraturen zum ehemaligen KZ Mauthausen/Gusen und wohl auch in der Lage, so manch anderen Zeitzeugen zu motivieren, Erinnerungen und Erfahrungen nieder zu schreiben. Der Titel sollte von all jenen gelesen werden, die ihr Wissen um die nationalsozialistischen Konzentrationslager um den sehr selten beleuchteten Aspekt der Ausbildung von zivilen Lehrlingen bei diesen Todeslagern abrunden wollen.

 

Dieses Buch kann also nur weiter empfohlen werden.

 

Mehr über die ehemaligen Konzentrationslager von Gusen kann folgenden Websites entnommen werden:

 

<a href="http://www.gusen.org/">www.gusen.org</a>

<a href="http://www.gusen-memorial.at/">www.gusen-memorial.at</a>

 




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